Mittwoch, 11. September 2013

Unentbehrliche Smartphones verzogener Gören

Aufgrund einer Beobachtung eines Lesers im Supermarkt fällt mir auf, dass eine besondere, nicht unerhebliche Anzahl von Handynutzerinnen in meinem Blog bisher kaum Beachtung gefunden hat, aber vermutlich schon bei vielen Lesern Fragen und Unverständnis hinterlassen hat.
Es handelt sich hierbei um Teenagerinnen, deren Blick sich nie, auch nicht beim Bezahlen an Kassen, von Ihrem Handy löst. Sie laufen ohne aufzublicken durch den Straßenverkehr und auf Bahnhöfen im Trödeltempo, folgen ihren Müttern blind und auf mysteriöse Weise, immer fest den Blick auf das Smartphone gerichtet, als wenn sie eine Mama-App haben, die ihnen den Weg auf dem Handy weist. Die Kamera wird nicht für Sehenswürdigkeiten im Urlaub genutzt sondern ausschließlich für Selbstportraits. Die Kamera wird dabei leicht über Kopfhöhe gehalten, der Blick leicht unterwürfig-debil nach oben gerichtet, Brust raus und der Mund zur Schnute geformt. (Soll wohl sexy aussehen, bin aber auch sicher nicht die passende Zielgruppe). Mit diesen  Fotos wird dann alle 2 Tage auf Facebook der Status aktualisiert. "Eileen hat ihr Profilbild geändert". Worauf die beiden besten Freundinnen mit "Wie hüpsch", "Du sichst toll aus" o.ä. antworten. Die Zeit dazwischen wird mit WhatsApp-Nachrichten ausgefüllt. Aus ihrer Richtung ertönt alle 2 Minuten der Standard 5-Ton Pfeifton der Firma Samsung.
Sollten diese jungen Frauen zufällig kurzfristig in der Lage sein, einer geregelten Arbeit nachzugehen und sich einige Arbeitgeber über häufige und lange Toilettenbesuche wundern:
Seht Euch mal die Fotos genauer an, sie werden nach dem Schminken am Waschraumspiegel gemacht. Zu erkennen am Kachel-Hintergrund.  Neue Kacheln, neuer Job, neus Glück...
Und eine GPS-Analyse oder ein Zeitabgleich würden sicher ergeben, auch direkt von dort versendet. Alternativ müssen die Mädchen "rauchen gehen", wobei sie aber keine Unterhaltungen mit anderen Rauchern führen sondern telefonieren...
In der Steigerung habe ich sogar wiederholt erwachsene Frauen erlebt, die WÄHREND der Tarifberatung im Shop ununterbrochen den Blick auf das Handy halten und bei Bedarf mit?-schreiben.
Was mich völlig verunsichert, weil ich nicht weiß, ob sie mir nur mit den Ohren folgen, jemandem irgendetwas schriftlich antworten, ferngesteuert sind oder meine Ausführungen mitschreiben.
Wenn ich ihnen eine Weile still zusehe, damit sie das scheinbar irre Wichtige da auf ihrem Handy in Ruhe beenden können, bemerken sie mich erst wieder, wenn ich vorsichtig auf mich aufmerksam mache oder den Verkaufsraum verlasse.
"Entschuldigung, dauert das noch etwas?"
"Wieso?"
"Ich warte, wenn es wichtig ist, damit sie es beenden können."
"Nee, brauchen Sie nicht."
Woraufhin das Handy selbstverständlich nicht weggesteckt wird.

Vermutlich kennen Eltern das auch vom Abendbrottisch.

Die Frage lautet:
Was passiert wenn einer Süchtigen das Handy kaputt oder verloren geht?
Antwort:
AUSNAHMEZUSTAND in der ganzen Familie!

Die Tochter hätte definitiv KEIN angemessenes Ersatzgerät. Die möglichen Leih-Geräte von Vater und Mutter können auf gar keinen Fall Ihren Ansprüchen für die Nutzung von -Selbstporträts auf Facebook posten- genügen. Auch würde sie annehmen, dass es sich hierbei um ein Vorkriegsmodell handelt und das bemitleidenswerte Mädchen würde in der Schule dem garstigsten Mobbing ausgesetzt sein.
Einen Reparaturfall, und die die damit verbundene Zickigkeit der Tochter, auch nur von den üblichen 2 Tagen, würde IHRE MUTTER nicht ertragen und würde gezwungen sein, auch gegen die vernünftige Beratung der Mobilfunkfachverkäuferin, Papas wenig genutzten Vertrag UMGEHEND in einen überflüssigen Internettarif umzuwandeln, damit die verzogene Göre SOFORT das nächst-bessere Smartphone bekommt.

Schickt mir doch gerne Eure Erfahrungen mit dieser (un)gewöhnlichen Spezies von Mobilfunkteenagerinnen. Jungs machen sowas wohl nicht. Und da stellt sich ja die nächste Frage:
Wieso machen Jungs das nicht?

Kommentare :

  1. Och, dieses Verhalten habe ich in nur leicht abgeschwächter Form nicht nur bei Teeanagerinnen, sondern auch bei Kolleginnen und Kollegen (!) im Alter von 30+ Jahren erlebt.

    Ok, der Kollege ist entschuldigt; er hatte zu diesem Zeitpunkt eine deutlich jüngere Freundin.

    Womit der Kreis geschlossen wäre. ;-)

    AntwortenLöschen
  2. Ich halte ja Handy und Vertrag getrennt, muss aber gestehen, dass ich (männlich) neulich bei einem Displayschaden bei meinem knapp 6 Monate alten Handys zuerst das gleiche Gerät neu bestellt und eingerichtet habe und anschließen das Kaputte zur ca. einwöchigen Reparatur eingeschickt (& anschließend verkauft) habe... Gesamtbilanz nur wenige € über den Reparaturkosten...
    Bei mir läuft einfach so viel Organisatorisches übers Handy, das wäre sonst wirklich anstrengend gewesen.
    Whatsapp nutze ich übrigens nicht...

    AntwortenLöschen
  3. Das ist bisher dein bester Eintrag, er ist großartig. Ich habe laut gelacht und hatte selbst hundert Bilder im Kopf von Smartphone Gören, die wie Blinde ohne Hund auf vierspurige Straßen laufen, um sich dort überfahren zu lassen. Großartig!

    AntwortenLöschen